Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel für Hunde wächst kontinuierlich. Neben klassischen Pulverpräparaten erfreuen sich insbesondere sogenannte Futtertoppings und Funktionssnacks großer Beliebtheit. Während Futtertoppings über das eigentliche Futter gegeben werden, kombinieren Funktionssnacks die Aufnahme gesundheitsfördernder Inhaltsstoffe mit einer Belohnung. Hersteller versprechen unter anderem positive Effekte auf Gelenke, Darmgesundheit, Haut und Fell oder das Immunsystem. Doch stellt sich die Frage, ob eine dieser Darreichungsformen aus wissenschaftlicher Sicht tatsächlich Vorteile bietet.
Die Antwort fällt differenziert aus: Die Darreichungsform selbst entscheidet in den meisten Fällen nicht über die Wirksamkeit eines Nahrungsergänzungsmittels. Entscheidend sind vielmehr die Qualität des enthaltenen Wirkstoffs, seine Dosierung, seine Bioverfügbarkeit sowie der tatsächliche Bedarf des Hundes.
Nicht die Form, sondern der Wirkstoff ist entscheidend
In der wissenschaftlichen Literatur stehen nahezu ausschließlich die eingesetzten Inhaltsstoffe im Mittelpunkt. Zahlreiche Studien beschäftigen sich beispielsweise mit Omega-3-Fettsäuren, Probiotika, Präbiotika, Glucosamin, Chondroitinsulfat oder Kollagenhydrolysat. Untersucht wird dabei vor allem, ob diese Stoffe überhaupt eine nachweisbare Wirkung besitzen und in welcher Dosierung sie sinnvoll eingesetzt werden können.
Ob dieselben Wirkstoffe anschließend als Pulver oder in Form eines funktionellen Snacks verabreicht werden, spielt für ihre biologische Wirkung meist eine untergeordnete Rolle. Unterschiede zwischen Produkten entstehen wesentlich häufiger durch die Qualität der Rohstoffe, die Konzentration des Wirkstoffs, die Stabilität während der Lagerung und die tatsächliche Bioverfügbarkeit im Verdauungstrakt als durch die gewählte Darreichungsform.
Futtertoppings bieten ernährungsphysiologische Vorteile
Aus Sicht der Hundeernährungsberatung besitzen Futtertoppings einige praktische Vorzüge. Einer der größten Vorteile ist die Möglichkeit, die Dosierung sehr genau an den einzelnen Hund anzupassen. Gerade bei kleinen oder sehr großen Hunden lässt sich die Menge individuell berechnen und bei Bedarf problemlos verändern. Auch bei selbst zubereiteten Rationen lassen sich mehrere Nahrungsergänzungen unkompliziert miteinander kombinieren.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Energiegehalt. Pulverförmige Ergänzungen liefern in der Regel nur sehr wenige Kalorien. Für Hunde mit Übergewicht oder Tiere, die sich in einer Gewichtsreduktion befinden, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Jeder zusätzliche Snack erhöht die tägliche Energieaufnahme und sollte deshalb grundsätzlich in die Gesamtration eingerechnet werden.
Darüber hinaus lassen sich Futtertoppings meist problemlos in jede Art der Fütterung integrieren – unabhängig davon, ob der Hund Nassfutter, Trockenfutter oder selbst gekochte Mahlzeiten erhält.
Funktionssnacks punkten im Alltag
Funktionssnacks verfolgen einen anderen Ansatz. Sie sollen nicht nur bestimmte Inhaltsstoffe liefern, sondern gleichzeitig als Belohnung dienen. Für viele Hundehalter ist dies besonders praktisch, da die tägliche Gabe unkompliziert erfolgt und von den meisten Hunden gerne angenommen wird.
Gerade bei mäkeligen Hunden oder Tieren, die Pulver im Futter verweigern, kann ein schmackhafter Snack die regelmäßige Aufnahme deutlich erleichtern. Auch aus der Humanmedizin ist bekannt, dass eine einfache Anwendung die Therapietreue verbessert. Es ist daher plausibel, dass dieser Effekt auch bei Hunden eine Rolle spielt.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Supplementierung für den Hund meist völlig stressfrei erfolgt. Der funktionelle Snack wird einfach wie ein gewöhnliches Leckerchen gefüttert.
Hat die Darreichungsform Einfluss auf die Aufnahme?
Immer wieder werben Hersteller mit einer besonders guten Bioverfügbarkeit ihrer Produkte. Tatsächlich hängt die Aufnahme eines Nährstoffs jedoch überwiegend von seiner chemischen Struktur und weniger von der Darreichungsform ab.
Bei Omega-3-Fettsäuren beispielsweise ist entscheidend, in welcher Form EPA und DHA vorliegen und wie gut das Produkt vor Oxidation geschützt wird. Bei Probiotika spielt die Stabilität der verwendeten Bakterienstämme während Lagerung und Verdauung eine wesentlich größere Rolle als die Frage, ob sie in einem Pulver oder einem Snack enthalten sind.
Für identische Wirkstoffe existieren bislang keine belastbaren wissenschaftlichen Belege dafür, dass sie allein aufgrund ihrer Verarbeitung zu einem Funktionssnack grundsätzlich besser aufgenommen werden als in Pulverform.
Qualität ist wichtiger als Marketing
Ein weiterer Punkt, der in der Praxis häufig unterschätzt wird, ist die Qualität der eingesetzten Rohstoffe. Nahrungsergänzungsmittel unterscheiden sich teilweise erheblich hinsichtlich Reinheit, Wirkstoffgehalt und Stabilität. Ein hochwertiges Futtertopping mit klar deklarierter Wirkstoffmenge kann daher einem Funktionssnack mit geringer Konzentration überlegen sein – genauso kann ein hochwertiger Funktionssnack qualitativ besser sein als ein minderwertiges Pulver.
Entscheidend ist daher nicht die Verpackungsform, sondern ob der Hersteller die eingesetzten Wirkstoffe transparent deklariert, wissenschaftlich belegte Inhaltsstoffe verwendet und deren Konzentration sinnvoll gewählt ist.
Fazit
Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keine überzeugenden Belege dafür, dass Futtertoppings oder Funktionssnacks allein aufgrund ihrer Darreichungsform wirksamer sind. Maßgeblich für den Nutzen eines Nahrungsergänzungsmittels sind vielmehr die Qualität des enthaltenen Wirkstoffs, seine Dosierung, seine Bioverfügbarkeit und die regelmäßige Anwendung.
Futtertoppings bieten vor allem Vorteile bei der präzisen Dosierung, enthalten meist kaum zusätzliche Kalorien und lassen sich hervorragend in individuell zusammengestellte Rationen integrieren. Sie eignen sich insbesondere für Hunde mit speziellen Ernährungsanforderungen oder bei einer notwendigen Gewichtskontrolle.
Funktionssnacks überzeugen dagegen durch ihre hohe Akzeptanz und die einfache tägliche Anwendung. Für viele Hundehalter stellen sie eine praktische Möglichkeit dar, Nahrungsergänzungen ohne zusätzlichen Aufwand zu verabreichen.
Letztlich gibt es daher keine grundsätzlich bessere Darreichungsform. Die Entscheidung sollte vielmehr danach getroffen werden, welcher Wirkstoff benötigt wird, ob überhaupt ein ernährungsphysiologischer Bedarf besteht und welche Form sich im Alltag des jeweiligen Hundes und seines Halters am sinnvollsten umsetzen lässt. So lässt sich eine gezielte und bedarfsgerechte Supplementierung erreichen.
