„Hundemalaria“ in Deutschland: Warum Babesiose längst kein reines Reiseproblem mehr ist

Noch vor wenigen Jahren galt die Babesiose als klassische Reisekrankheit. Hunde infizierten sich vor allem während eines Urlaubs in Südfrankreich, Italien, Spanien oder Osteuropa und entwickelten nach ihrer Rückkehr plötzlich hohes Fieber, schwere Blutarmut und im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Organversagen. Diese Einschätzung ist heute nicht mehr zeitgemäß. Inzwischen werden jedes Jahr zahlreiche Infektionen bei Hunden festgestellt, die Deutschland nie verlassen haben. Die Ursache dafür ist die zunehmende Ausbreitung der Auwaldzecke, die als Hauptüberträger des Erregers Babesia canis gilt. Damit gehört die Babesiose mittlerweile zu den häufig durch Zecken übertragenen Infektionskrankheiten des Hundes in Deutschland.

Das bedeutet, dass ein wirksamer Zeckenschutz heute nicht mehr nur vor Borreliose oder Anaplasmose schützen soll, sondern auch vor einer Erkrankung, die innerhalb weniger Tage lebensbedrohlich werden kann. Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen, dass Babesiose bei frühzeitiger Diagnose in vielen Fällen erfolgreich behandelt werden kann. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Erkrankung rechtzeitig erkannt wird.

Was ist Babesiose?

Die Babesiose ist eine Infektionskrankheit, die durch einzellige Blutparasiten der Gattung Babesia verursacht wird. Beim Hund spielt in Europa vor allem Babesia canis eine Rolle. Die Parasiten gelangen nach einem Zeckenstich in den Blutkreislauf und befallen dort die roten Blutkörperchen. Innerhalb der Blutkörperchen vermehren sie sich und zerstören die Zellen anschließend. Dadurch entwickelt sich eine Blutarmut.

Aus diesem Grund wird die Babesiose gelegentlich auch als „Hundemalaria“ bezeichnet. Der Vergleich bezieht sich ausschließlich auf den biologischen Mechanismus, da sowohl Malariaerreger als auch Babesien rote Blutkörperchen befallen. Mit der menschlichen Malaria ist die Erkrankung nicht vergleichbar.

Warum nimmt die Babesiose in Deutschland zu?

Die wichtigste Ursache ist die deutliche Ausbreitung der Auwaldzecke. Während diese Zeckenart früher überwiegend entlang größerer Flusslandschaften und in wenigen wärmebegünstigten Regionen vorkam, zeigen Erhebungen des Friedrich-Loeffler-Instituts sowie verschiedener veterinärmedizinischer Forschungseinrichtungen seit Jahren eine kontinuierliche Ausbreitung. Heute existieren stabile Populationen in zahlreichen Bundesländern. Besonders häufig wird die Auwaldzecke unter anderem in Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg, dem Saarland sowie in Teilen Bayerns und Nordrhein-Westfalens nachgewiesen.

Auch klimatische Veränderungen dürften diese Entwicklung begünstigen. Die Auwaldzecke unterscheidet sich deutlich vom Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), da sie bereits bei niedrigen Temperaturen aktiv wird. Milde Winter ermöglichen daher längere Aktivitätsphasen, wodurch Hunde inzwischen fast ganzjährig einem Infektionsrisiko ausgesetzt sein können.

Wie erfolgt die Infektion?

Die Übertragung erfolgt fast ausschließlich durch den Stich infizierter Auwaldzecken. Während des Saugaktes gelangen die Babesien aus den Speicheldrüsen der Zecke in den Blutkreislauf des Hundes. Anders als beispielsweise bei der Borreliose kann die Übertragung bereits vergleichsweise früh erfolgen. Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass Babesien häufig innerhalb von 12 bis 24 Stunden übertragen werden können. Deshalb reicht das tägliche Absuchen des Hundes allein nicht aus, um eine Infektion zuverlässig zu verhindern.

Nach der Übertragung befallen die Parasiten die roten Blutkörperchen und vermehren sich dort. Mit jeder neu infizierten Blutzelle nimmt die Zerstörung zu. Gleichzeitig reagiert das Immunsystem auf die Infektion mit einer ausgeprägten Entzündungsreaktion, die den Krankheitsverlauf zusätzlich verschärfen kann.

Welche Symptome zeigt ein infizierter Hund?

Die Inkubationszeit beträgt meist zwischen 5 und 21 Tagen. Viele Hunde entwickeln zunächst plötzlich hohes Fieber, wirken apathisch und verweigern das Futter. Innerhalb kurzer Zeit verschlechtert sich der Allgemeinzustand häufig deutlich. Durch die zunehmende Zerstörung der roten Blutkörperchen werden die Schleimhäute blass oder gelblich. Der Urin kann sich dunkelrot bis braun verfärben, da größere Mengen Blutfarbstoff, das so genannte Hämoglobin, über die Nieren ausgeschieden werden.

Im weiteren Verlauf können Atemnot, Schwäche, Herz-Kreislauf-Probleme sowie eine ausgeprägte Blutarmut auftreten. Einige Hunde zeigen zusätzlich Erbrechen oder Durchfall. In schweren Fällen entwickelt sich eine sogenannte systemische Entzündungsreaktion mit Beteiligung mehrerer Organe. Besonders gefährlich sind Nierenversagen, Leberfunktionsstörungen, Gerinnungsstörungen und neurologische Symptome. Ohne Behandlung kann die Erkrankung innerhalb weniger Tage tödlich verlaufen.

Nicht jeder Hund entwickelt allerdings einen hochakuten Verlauf. Einige Tiere zeigen lediglich unspezifische Krankheitszeichen oder überstehen die Infektion zunächst mit milden Symptomen. Dennoch können auch diese Hunde später gesundheitliche Probleme entwickeln.

Wie wird Babesiose diagnostiziert?

Da sich die Symptome mit zahlreichen anderen Infektionskrankheiten überschneiden können, ist eine gezielte Diagnostik entscheidend. Bereits das Blutbild liefert häufig wichtige Hinweise. Typisch sind eine hämolytische Anämie und eine Verminderung der Blutplättchen.

Der direkte Erregernachweis gelingt in der Akutphase durch mikroskopische Untersuchung eines Blutausstrichs oder durch einen PCR-Test. Die Polymerase-Kettenreaktion (kurz PCR für Polymerase Chain Reaction) weist das Erbgut der Babesien nach und gilt insbesondere in den ersten Krankheitstagen als der zuverlässigste Test. Antikörpertests können die Diagnose ergänzen, eignen sich jedoch weniger für sehr frühe Infektionen, da Antikörper erst einige Tage bis Wochen nach der Ansteckung gebildet werden.

Behandlung und Prognose

Die Behandlung sollte möglichst sofort nach Feststellung der Infektion beginnen. In Europa hat sich das Medikament Imidocarb-Dipropionat etabliert, das gezielt gegen den Erreger wirkt. Je nach Schweregrad kommen Infusionen, fiebersenkende Medikamente, Schmerztherapie und eine engmaschige Überwachung der Organfunktionen zum Einsatz. Bei schwerer Blutarmut können Bluttransfusionen erforderlich werden.

Die Prognose hängt entscheidend davon ab, wie früh die Behandlung beginnt. Werden betroffene Hunde bereits in der frühen Krankheitsphase behandelt, bestehen meist gute Heilungschancen. Bei fortgeschrittenen Organveränderungen verschlechtert sich die Prognose dagegen deutlich.

Gibt es eine Impfung?

Eine Impfung gegen Hundemalaria gibt es derzeit nicht. Deshalb ist ein konsequenter Zeckenschutz besonders wichtig. Wirksam sind Tierarzneimittel mit akarizider oder repellierender Wirkung. Isoxazoline wie Fluralaner, Afoxolaner, Sarolaner oder Lotilaner töten Zecken nach dem Anheften zuverlässig ab. Halsbänder oder Spot-on-Präparate mit Deltamethrin beziehungsweise Permethrin können zusätzlich eine abschreckende Wirkung auf Zecken entfalten. Permethrin darf allerdings ausschließlich bei Hunden angewendet werden, da der Wirkstoff für Katzen hochgiftig ist.

Da Babesien teilweise bereits innerhalb kurzer Zeit übertragen werden können, ist ein zuverlässiger Zeckenschutz insbesondere in bekannten Risikogebieten sinnvoll. Hunde sollten unbedingt nach jedem Spaziergang gründlich abgesucht und festgesaugte Zecken möglichst früh entfernt werden.

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Ist Babesiose auf den Menschen übertragbar?

Eine direkte Ansteckung vom Hund auf den Menschen ist nach heutigem Kenntnisstand nicht möglich. Menschen können zwar ebenfalls an Babesiose erkranken, dabei handelt es sich jedoch um andere Babesienarten wie Babesia microti oder Babesia divergens. Der infizierte Hund stellt deshalb keine unmittelbare Infektionsquelle für seine Halter dar.

Fazit

Babesiose ist heute längst keine reine Reisekrankheit mehr. Die fortschreitende Ausbreitung der Auwaldzecke hat dazu geführt, dass sich Hunde inzwischen auch in Deutschland regelmäßig infizieren können, ohne jemals das Land verlassen zu haben. Ein konsequenter Zeckenschutz, regelmäßige Kontrolle des Hundes nach Spaziergängen und eine schnelle tierärztliche Abklärung bei Fieber, Schwäche oder dunkel verfärbtem Urin können entscheidend dazu beitragen, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Angesichts der zunehmenden Verbreitung der Auwaldzecke in Deutschland ist Babesiose eine Erkrankung, die bei jeder ungeklärten Erkrankung mit Fieber eines Hundes in Betracht gezogen werden sollte.