Stumpfes, struppiges oder fettiges Fell ist bei Hunden aus dem Auslandstierschutz häufig zu beobachten. Das Haarkleid ist dabei auch ein Ergebnis der bisherigen Lebensbedingungen. Ernährung, Haltung im Freien und fehlende regelmäßige Fellpflege beinflussen die Fell- und Hautbeschaffenheit. Nach der Adoption verändern sich viele dieser Faktoren gleichzeitig. Mit einer bedarfsdeckenden Ernährung, einer sinnvollen Versorgung mit essenziellen Fettsäuren und der richtigen Pflege lässt sich die Regeneration von Haut und Fell gezielt unterstützen.
Warum ist das Fell von Tierschutzhunden häufig stumpf?
Das Fell des Hundes wird kontinuierlich neu gebildet. Es besteht überwiegend aus Keratin, einem Strukturprotein. Für das Fellwachstum und die Fellerneuerung braucht der Körper ausreichend Protein beziehungsweise die darin enthaltenen Aminosäuren. Gleichzeitig sind essenzielle Fettsäuren, Vitamine und Spurenelemente an der normalen Funktion und Erneuerung von Haut und Haaren beteiligt.
Bei einem Hund aus dem Ausland ist häufig nicht genau bekannt, wie gleichmäßig und bedarfsdeckend seine Ernährung in der Vergangenheit war. Gerade während eines Lebens auf der Straße oder in größeren Sheltern kann die Futterversorgung wechseln. Das bedeutet nicht zwangsläufig einen ausgeprägten Nährstoffmangel. Eine längerfristig weniger gute Nährstoffversorgung kann sich jedoch auch an Haut und Fell zeigen.
Hinzu kommt der Fellwechsel. Haarwachstum und Haarwechsel werden unter anderem durch Tageslicht, Temperatur, Jahreszeit, Hormone und Ernährung beeinflusst. Bei einem Hund, der aus einer anderen Klimaregion nach Deutschland kommt, ändern sich innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Umweltbedingungen. Auch das Fell passt sich daran an.
Eine Verbesserung der Ernährung verändert nicht die bereits vorhandenen Haare. Entscheidend ist die Qualität des neu gebildeten Fells. Deshalb werden Veränderungen erst nach und nach sichtbar.
Warum kann das Fell fettig sein?
Fettiges Fell bedeutet nicht glauch, dass der Hund eine Hauterkrankung hat. Die Haut des Hundes besitzt Talgdrüsen, die eine fetthaltige Substanz produzieren. Dieser natürliche Hauttalg, in der Fachsprache Sebum genannt, verteilt sich auf Haut und Haaren, hält sie geschmeidig und ist Bestandteil der natürlichen Schutzbarriere der Haut.
Das Fell von Straßenhunden oder Hunden aus Außenhaltung war Regen, Feuchtigkeit, Wind, Kälte und Temperaturschwankungen wesentlich stärker ausgesetzt als das eines Wohnungshundes. Bei draußen gehaltenen Hunden wurde beispielsweise eine deutlich erhöhte Isolationswirkung des Winterfells nachgewiesen. Der natürliche Fettfilm auf Haut und Haaren gehört zum Schutzsystem des Fells. Ein fettiges oder besonders „wetterfestes“ Fell kann somit durchaus im Zusammenhang mit den bisherigen Haltungs- und Umweltbedingungen stehen.
Auch Parasiten, Hautinfektionen oder dermatologische Erkrankungen können die Beschaffenheit von Haut und Fell verändern. Sie sind jedoch nur einige von mehreren möglichen Ursachen. Treten neben dem veränderten Fell ausgeprägter Juckreiz, Rötungen, Krusten, nässende Hautstellen, kahle Stellen oder ein auffälliger Hautgeruch auf, sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden.
Ein gutes Alleinfuttermittel bildet die Grundlage
Die beste Erstmaßnahme ist ein geeignetes und gut verträgliches Alleinfuttermittel. Es ist so zusammengesetzt, dass es den täglichen Nährstoffbedarf des Hundes deckt.
Gerade in der ersten Zeit ist eine möglichst konstante Fütterung sinnvoll. Häufige Wechsel zwischen verschiedenen Futtersorten erschweren nicht nur die Beurteilung der Verträglichkeit, sondern sind für eine gezielte Nährstoffversorgung unnötig. Ein passendes Alleinfuttermittel sollte deshalb erst einmal konsequent gefüttert werden.
Für die Fellneubildung ist vor allem die Proteinversorgung relevant. Dabei sollte jedoch nicht allein nach einem möglichst hohen Proteingehalt geschaut werden. Entscheidend ist eine insgesamt bedarfsdeckende Versorgung mit gut verwertbarem Protein und den benötigten Aminosäuren.
Außerdem benötigt die Haut essenzielle Fettsäuren. Sie sind unter anderem für die normale Hautbarriere von Bedeutung. Deshalb lohnt sich bei der Auswahl des Alleinfuttermittels auch ein Blick auf die Fettqualität und die enthaltenen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Lachsöl kann die Fellregeneration unterstützen
Als gezielte Ergänzung zu einem Alleinfuttermittel kann ein hochwertiges Lachs- oder Fischöl sinnvoll sein. Es ist besonders reich an den langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Omega-3-Fettsäuren werden auch in der veterinärmedizinischen Dermatologie zur Unterstützung der Haut eingesetzt.
Lachsöl kann bereits zu Beginn der neuen Fütterung eingesetzt werden. Eine sichtbare Verbesserung des Fells wird allerdings nicht innerhalb weniger Tage oder Wochen eintreten. In einer Untersuchung an Hunden mit schlechter Fellqualität entwickelte sich die Verbesserung unter einer EPA- und DHA-reichen Ergänzung über mehrere Wochen. Deutliche Veränderungen der klinisch bewerteten Fellqualität zeigten sich nach etwa 60 Tagen.
Beim Kauf ist neben der Bezeichnung „Lachsöl“ auch die Zusammensetzung entscheidend. Empfehlenswert ist ein Produkt, bei dem der tatsächliche Gehalt an EPA und DHA angegeben wird. So lässt sich am besten beurteilen, wie viele der gewünschten Omega-3-Fettsäuren der Hund tatsächlich erhält.
Die Dosierung sollte zum Körpergewicht und zum verwendeten Alleinfuttermittel passen. Große Mengen Öl sind nicht automatisch besser. Zusätzliches Öl erhöht die Energieaufnahme und kann bei zu schneller oder zu hoher Gabe weichen Kot verursachen. Eine kleine Anfangsmenge, die bei guter Verträglichkeit langsam gesteigert wird, ist sinnvoll.
Fischöl sollte außerdem sachgerecht gelagert werden. Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren reagieren empfindlich auf Sauerstoff, Licht und Wärme. Oxidiertes beziehungsweise ranzig riechendes Öl sollte nicht mehr verfüttert werden.

Biotin, Zink und Fellpräparate sind bei einem Alleinfuttermittel meist nicht erforderlich
Biotin, Zink, Vitamin A, Vitamin E und weitere Mikronährstoffe erfüllen wichtige Funktionen für Haut und Haare. Ein geeignetes Alleinfuttermittel enthält diese Nährstoffe jedoch bereits in bedarfsdeckender Menge.
Deshalb ist es nicht sinnvoll, bei stumpfem Fell automatisch mehrere Vitamin- und Mineralstoffpräparate zusätzlich zu geben. Mehr ist bei Mikronährstoffen nicht zwangsläufig besser. Durch zusätzliche Präparate können einzelne Nährstoffe unnötig hoch dosiert und die ausgewogene Zusammensetzung des Alleinfuttermittels verändert werden.
Für die erste Zeit nach der Adoption ist deshalb ein einfacher Ansatz sinnvoller: ein passendes Alleinfuttermittel konsequent füttern und, wenn eine zusätzliche Unterstützung der Haut gewünscht ist, gezielt über eine geeignete EPA- und DHA-Quelle nachdenken, statt verschiedene „Haut-und-Fell“-Präparate miteinander zu kombinieren.
Bürsten unterstützt den natürlichen Fellwechsel
Auch von außen lässt sich das Fell unterstützen. Regelmäßiges, sanftes Bürsten entfernt Schmutz, lose Unterwolle, abgestorbene Haare und Hautschuppen. Besonders während des Fellwechsels hilft es dabei, altes Fell zu lösen und das nachwachsende Haarkleid freizulegen.
Bei einem Hund, der Fellpflege bisher nicht kennt, sollte das Bürsten langsam aufgebaut werden. Kurze Einheiten mit einer zum Felltyp passenden Bürste sind sinnvoller als eine intensive Fellpflege direkt nach der Ankunft.
Ist das Fell stark verschmutzt oder sehr fettig, kann ein einmaliges Bad mit einem milden, für Hunde geeigneten Shampoo sinnvoll sein. Häufiges Waschen ist dagegen nicht notwendig. Der natürliche Fettfilm auf Haut und Haaren erfüllt wichtige Schutzfunktionen und sollte nicht unnötig oft entfernt werden.
Die Veränderung des Fells braucht mehrere Wochen
Die wirkungsvollste Strategie gegen stumpfes oder fettiges Fell besteht damit nicht aus möglichst vielen Ergänzungsmitteln, sondern aus wenigen gezielten Maßnahmen. Ein hochwertiges, gut verträgliches Alleinfuttermittel schafft die Grundlage für die Versorgung mit Protein, essenziellen Fettsäuren, Vitaminen und Spurenelementen. Ein hochwertiges Lachsöl kann die Haut- und Fellgesundheit zusätzlich unterstützen. Regelmäßiges Bürsten hilft beim Entfernen des alten Fells und unterstützt die Fellpflege von außen.
Das vorhandene Fell ist unter den früheren Lebens- und Ernährungsbedingungen des Hundes entstanden. Erst das nachwachsende Haarkleid spiegelt die neue Versorgung wider. Entsprechend sollte man die Entwicklung über mehrere Wochen beobachten.
