Erhöhter Futternapf: Sinnvoll oder nicht?

Erhöhte Futternäpfe* sind vor allem bei großen Hunden beliebt. Statt den Napf auf den Boden zu stellen, befindet er sich in einem Gestell und damit näher an Brust und Kopf des Hundes. Häufig wird damit geworben, dass diese Fütterungsposition die Gelenke entlastet, das Schlucken erleichtert und sogar die Verdauung verbessert.

Ganz so eindeutig ist die Sache allerdings nicht. Für einen gesunden Hund gibt es bislang kaum wissenschaftliche Belege dafür, dass ein erhöhter Futternapf grundsätzlich Vorteile gegenüber einem Napf auf dem Boden hat. Bei bestimmten Erkrankungen kann eine erhöhte Fütterungsposition dagegen durchaus sinnvoll sein. Und ausgerechnet bei der häufig genannten Vorbeugung einer Magendrehung spricht die vorhandene Forschung eher gegen eine pauschale Empfehlung.

Ist das Fressen vom Boden unnatürlich?

Ein häufiges Argument für erhöhte Näpfe lautet, dass sich besonders große Hunde beim Fressen stark nach unten beugen müssen. Das sehe unbequem aus und könne Hals, Wirbelsäule oder Vordergliedmaßen belasten.

Dabei wird leicht vergessen, dass die Nahrungsaufnahme mit gesenktem Kopf für einen gesunden Hund zunächst eine vollkommen normale Körperhaltung ist. Hunde benötigen keinen auf Brusthöhe stehenden Napf, um problemlos fressen und schlucken zu können.

Auch die Größe des Hundes allein ist deshalb kein überzeugender Grund, den Napf höher zu stellen. Ein gesunder Schäferhund, eine Dogge oder ein Labrador muss nicht allein aufgrund seiner Schulterhöhe aus einem erhöhten Napf fressen.

Anders sieht es aus, wenn das Absenken des Kopfes tatsächlich Beschwerden verursacht.

Wann kann ein erhöhter Futternapf sinnvoll sein?

Einen echten praktischen Vorteil kann die erhöhte Position bei Hunden haben, deren Beweglichkeit eingeschränkt ist. Dazu gehören beispielsweise ältere Hunde mit ausgeprägten Gelenkproblemen oder Tiere mit schmerzhaften Erkrankungen im Bereich von Hals, Wirbelsäule oder Vordergliedmaßen.

Muss ein solcher Hund den Kopf bis zum Boden absenken, kann dies unangenehm sein. Ein höher platzierter Napf reduziert die notwendige Bewegung und kann die Futteraufnahme dadurch erleichtern. In der veterinärmedizinischen Praxis werden erhöhte Näpfe deshalb unter anderem bei bestimmten orthopädischen oder neurologischen Problemen eingesetzt.

Entscheidend ist dabei aber nicht das Alter des Hundes an sich. Ein zwölfjähriger Hund, der sich problemlos bewegt und ohne erkennbare Schwierigkeiten vom Boden frisst, benötigt nicht automatisch einen erhöhten Napf. Die Anpassung sollte sich nach der tatsächlichen körperlichen Einschränkung richten.

Bei Schluckstörungen kann die Position besonders wichtig werden

Eine weitere Einsatzmöglichkeit besteht bei bestimmten Erkrankungen der Speiseröhre. Das bekannteste Beispiel ist der Megaösophagus. Dabei ist die Speiseröhre erweitert und ihre Fähigkeit eingeschränkt, Nahrung zuverlässig in Richtung Magen zu transportieren.

Bei betroffenen Hunden wird die Schwerkraft gezielt genutzt. Sie werden möglichst aufrecht gefüttert und müssen häufig auch nach der Mahlzeit noch eine gewisse Zeit in dieser Position bleiben. Dafür können spezielle Fütterungshilfen wie ein sogenannter Bailey Chair eingesetzt werden.

Ein normaler erhöhter Futternapf ist allerdings nicht mit dieser therapeutischen Fütterungsposition gleichzusetzen. Bei Erkrankungen der Speiseröhre sollte die Position individuell tierärztlich festgelegt werden.

Für einen gesunden Hund lässt sich daraus außerdem nicht ableiten, dass Nahrung grundsätzlich besser verdaut wird, wenn der Napf höher steht.

Verbessert ein erhöhter Napf die Verdauung?

Hersteller erhöhter Futternäpfe werben teilweise damit, dass eine höhere Position das Schlucken erleichtere, weniger Luft aufgenommen werde und die Verdauung dadurch verbessert werde.

Für gesunde Hunde ist ein solcher allgemeiner Verdauungsvorteil wissenschaftlich nicht überzeugend belegt.

Eine Befragungsstudie mit 715 Hunden untersuchte unter anderem, ob sich gesundheitliche Probleme zwischen Hunden mit erhöhtem und normalem Futternapf unterschieden. Rund ein Viertel der Hunde wurde erhöht gefüttert. Ein signifikanter gesundheitlicher Vorteil dieser Fütterungsweise ließ sich nicht feststellen. Die Autoren kamen vielmehr zu dem Schluss, dass weitere Untersuchungen notwendig sind.

Aussagen wie „bessere Verdauung“, „weniger Magenprobleme“ oder „gesünderes Schlucken“ sollten deshalb nicht als allgemeingültige Vorteile eines erhöhten Napfes dargestellt werden.

Der wichtigste Streitpunkt: die Magendrehung

Besonders interessant wird es bei der Magendrehung, medizinisch Gastric Dilatation-Volvulus oder kurz GDV.

Lange Zeit wurde Hundehaltern teilweise empfohlen, vor allem große und tiefbrüstige Hunde aus erhöhten Näpfen zu füttern. Die Überlegung dahinter war unter anderem, dass die Hunde dadurch weniger Luft schlucken und das Risiko einer Magendrehung sinken könnte. Die wissenschaftlichen Daten bestätigen diese Annahme jedoch nicht.

Eine viel zitierte prospektive Studie untersuchte 1.637 Hunde großer und sehr großer Rassen. Zu den Faktoren, die mit einem erhöhten GDV-Risiko verbunden waren, gehörten ein höheres Alter, ein Verwandter ersten Grades mit Magendrehung, eine hohe Fressgeschwindigkeit – und die Fütterung aus einem erhöhten Napf.

Besonders bemerkenswert: Die Autoren führten einen erheblichen Anteil der beobachteten GDV-Fälle statistisch auf die Verwendung erhöhter Futternäpfe zurück. Bei großen Rassen waren es etwa 20 Prozent, bei Riesenrassen rund 52 Prozent. Dabei handelt es sich um eine epidemiologische Zuordnung und nicht um den Beweis, dass der erhöhte Napf die Magendrehung verursacht hat.

Dieser Unterschied ist wichtig.

Eine Beobachtungsstudie kann einen Zusammenhang feststellen, aber nicht ohne Weiteres beweisen, dass ein Faktor tatsächlich die Ursache einer Erkrankung ist.

Bedeutet das, dass erhöhte Näpfe eine Magendrehung verursachen?

Auch diese Aussage wäre zu weitgehend. Eine spätere Untersuchung konnte keinen signifikanten Einfluss der Napfhöhe auf das Auftreten einer Magendrehung feststellen. Eine systematische Bewertung der verfügbaren Evidenz kam deshalb zu einem differenzierten Ergebnis: Es gibt Hinweise darauf, dass erhöhte Fütterung mit einem erhöhten GDV-Risiko verbunden sein könnte, während andere Daten keinen signifikanten Zusammenhang zeigen. Entscheidend ist jedoch, dass keine der ausgewerteten Studien zeigen konnte, dass ein erhöhter Napf das Risiko einer Magendrehung reduziert.

Damit lässt sich eine früher verbreitete Empfehlung heute nicht mehr aufrechterhalten: Einen erhöhten Futternapf allein zur Vorbeugung einer Magendrehung zu verwenden, ist wissenschaftlich nicht begründbar. Gerade bei großen und tiefbrüstigen Hunden mit erhöhtem GDV-Risiko spricht die derzeitige Datenlage eher dafür, den Futternapf ohne medizinischen Grund auf dem Boden zu belassen.

Ist ein erhöhter Napf wenigstens bequemer?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Ein Hund mit Schmerzen beim Beugen des Halses kann von einer höheren Position deutlich profitieren. Für einen gesunden Hund bedeutet eine aufrechtere Fresshaltung dagegen nicht automatisch eine ergonomisch bessere Haltung. Hundehalter sollten sich deshalb weniger daran orientieren, ob die Fresshaltung aus menschlicher Sicht bequem aussieht, sondern den Hund beobachten. Kann er den Kopf problemlos zum Napf senken? Steht er entspannt? Verändert er ständig seine Position? Spreizt er die Vorderbeine ungewöhnlich stark? Bricht er die Futteraufnahme ab oder zeigt er Schwierigkeiten beim Senken oder Anheben des Kopfes? Bei auffälligem Verhalten sollte allerdings nicht einfach ein höherer Napf gekauft werden. Schwierigkeiten beim Fressen oder eine plötzlich veränderte Körperhaltung können beispielsweise auf Schmerzen, Zahnprobleme, orthopädische Beschwerden oder Schluckstörungen hinweisen und sollten entsprechend abgeklärt werden.

Wie hoch sollte ein erhöhter Futternapf stehen?

Eine universelle Formel nach dem Motto „Napfhöhe = Schulterhöhe minus X Zentimeter“ ist wissenschaftlich nicht etabliert. Das ist insbesondere deshalb relevant, weil im Internet zahlreiche Tabellen kursieren, die abhängig von Rasse oder Widerristhöhe eine vermeintlich optimale Napfhöhe nennen. Solche Angaben vermitteln eine Genauigkeit, die durch wissenschaftliche Untersuchungen kaum abgesichert ist.

Wird ein erhöhter Napf aus medizinischen Gründen verwendet, sollte seine Höhe vielmehr so gewählt werden, dass der Hund in einer entspannten Position fressen kann und Hals und Kopf nicht unnatürlich nach oben strecken muss. Bei einer Erkrankung sollte die geeignete Position mit der behandelnden Tierarztpraxis abgestimmt werden. Ein extrem hoch eingestellter Napf ist also nicht automatisch besser.

Erhöhter Napf für alte Hunde?

Auch bei Senioren sollte individuell entschieden werden. Ein gesunder älterer Hund, der sich problemlos zum Boden beugt, braucht allein wegen seines Alters keinen Napfständer. Bei Arthrose, eingeschränkter Beweglichkeit oder Schmerzen im Hals- und Schulterbereich kann die Situation dagegen anders aussehen. Dann kann bereits eine moderate Erhöhung die Futteraufnahme angenehmer machen. Hier sollte der erhöhte Napf als Hilfsmittel für ein konkretes Problem verstanden werden – nicht als grundsätzlich gesündere Form der Fütterung.

Vorteile und Nachteile im Überblick

Die Vorteile eines erhöhten Napfes liegen vor allem dort, wo ein Hund körperlich von der veränderten Fressposition profitiert. Bei eingeschränkter Beweglichkeit, Hals- oder Wirbelsäulenproblemen kann das Absenken des Kopfes reduziert werden. Bei bestimmten Erkrankungen der Speiseröhre spielt eine erhöhte beziehungsweise aufrechte Fütterungsposition sogar eine wichtige therapeutische Rolle.

Demgegenüber steht, dass für gesunde Hunde weder eine allgemein bessere Verdauung noch eine grundsätzlich gesündere Körperhaltung überzeugend nachgewiesen wurde. Besonders problematisch ist die Behauptung, ein erhöhter Napf schütze vor Magendrehung. Dafür gibt es keine belastbaren Belege; eine große prospektive Untersuchung fand sogar einen Zusammenhang zwischen erhöhten Näpfen und einem höheren GDV-Risiko.

Für gesunde Hunde meist nicht notwendig

Ein erhöhter Futternapf ist weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht. Entscheidend ist, warum er verwendet wird. Für einen gesunden Hund, der ohne Schwierigkeiten vom Boden frisst, besteht kein überzeugender Grund, den Futternapf vorsorglich höher zu stellen. Auch große Hunde benötigen nicht allein aufgrund ihrer Körpergröße einen erhöhten Napf.

Anders sieht es bei Hunden mit körperlichen Einschränkungen aus. Arthrose, Schmerzen im Hals- oder Schulterbereich, neurologische Probleme oder bestimmte Erkrankungen der Speiseröhre können eine angepasste Fütterungsposition sinnvoll oder sogar notwendig machen. Dann sollte die Höhe auf den individuellen Hund und seine Erkrankung abgestimmt werden.

Zur Vorbeugung einer Magendrehung sollte ein erhöhter Futternapf dagegen nicht empfohlen werden. Die vorhandene Forschung zeigt keinen schützenden Effekt. Eine große prospektive Studie fand vielmehr einen Zusammenhang mit einem erhöhten GDV-Risiko bei großen und sehr großen Hunden.

Für die meisten gesunden Hunde bleibt damit die einfachste Lösung auch eine gute: Der Futternapf kann auf dem Boden stehen.

Wissenschaftliche Quellen:
  • Glickman LT, Glickman NW, Schellenberg DB, Raghavan M, Lee T. (2000): Non-dietary risk factors for gastric dilatation-volvulus in large and giant breed dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association, 217(10), 1492–1499.
  • Buckley LA. (2017): Are Dogs That Are Fed from a Raised Bowl at an Increased Risk of Gastric Dilation Volvulus Compared with Floor-Fed Dogs? Veterinary Evidence.
  • Normando S. (2020): Feeding dogs from raised bowls – a survey of the practice among Italian owners. Dog Behavior, 6(2).

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