Leckerchen gehören für die meisten Hundebesitzer ganz selbstverständlich zum Alltag. Sie werden beim Training eingesetzt, manchmal sind sie auch eine kleine Aufmerksamkeit zwischendurch oder dienen dazu, Medikamente schmackhafter zu machen. Problematisch werden Hundeleckerli meist nicht deshalb, weil ein Hund überhaupt welche bekommt, sondern weil ihre Menge im Alltag schnell unterschätzt wird. Ein Trainingssnack hier, ein Stück Käse dort und am Abend noch ein Kauartikel. Und jeder kennt doch das berühmte Stück vom „Leberwurstbrot“. Jede einzelne Portion erscheint klein, zusammen können sie jedoch einen größeren Teil der täglichen Energiezufuhr ausmachen, als man vermuten würde.
Wer wissen möchte, wie viele Leckerchen ein Hund am Tag bekommen darf, sollte nicht in Stückzahlen denken. Entscheidend ist, wie viel Energie die zusätzlichen Snacks liefern und wie sie in die gesamte Tagesration einbezogen werden. Mit einigen einfachen Regeln lassen sich Leckerchen problemlos in den Alltag und das Hundetraining einbauen, ohne dass der Hund dauerhaft mehr Energie erhält, als er benötigt.
Wie viele Leckerchen darf ein Hund am Tag bekommen?
Eine pauschale Empfehlung wie „fünf Leckerchen am Tag“ ist wenig sinnvoll. Ein kleiner Hund mit vier Kilogramm Körpergewicht hat einen völlig anderen Energiebedarf als ein Hund mit 30 Kilogramm. Gleichzeitig können sich Hundeleckerchen hinsichtlich ihres Kaloriengehalts enorm unterscheiden. Ein winziges Trainingsleckerchen liefert möglicherweise nur sehr wenig Energie, während größere Kauartikel, getrocknetes Fleisch oder Käse ausgesprochen energiereich sein können.
Als praktische Orientierung dient die 10-Prozent-Regel. Zusätzliche Leckerchen, Kauartikel aber auch Tischreste sollten zusammen möglichst nicht mehr als etwa zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr ausmachen. Mindestens 90 Prozent sollten aus einem bedarfsdeckenden Alleinfutter stammen.
Wichtig ist dabei, dass sich diese zehn Prozent auf die Energie und nicht auf das Gewicht des Futters beziehen. Zehn Gramm Käse sind beispielsweise nicht mit zehn Gramm Gurke vergleichbar. Ebenso wenig lassen sich zehn Gramm Trockenfutter mit zehn Gramm Nassfutter gleichsetzen. Entscheidend ist letztlich, wie viele Kilokalorien der Hund damit aufnimmt.
Diese Begrenzung dient nicht nur dazu, Übergewicht vorzubeugen. Ein Alleinfuttermittel ist so zusammengesetzt, dass es den Hund bei entsprechender Fütterungsmenge nicht nur mit Energie sondern auch allen lebenswichtigen Nährstoffen versorgt. Werden größere Mengen davon durch Snacks ersetzt, die keine vollständige Nährstoffversorgung gewährleisten, kann dadurch langfristig ein Nährstoffmangel entstehen.
Wird das normale Alleinfuttermittel des Hundes als Belohnung verwendet und von seiner Tagesration abgezogen, handelt es sich nicht um zusätzliche Snackkalorien. Das Futter wird lediglich zu einem anderen Zeitpunkt und aus der Hand statt aus dem Napf verfüttert. Die gesamte Tagesmenge bleibt gleich.
Welche Leckerchen eignen sich für Hunde?
Gute Leckerchen müssen weder groß noch ausgefallen sein. Gerade beim Hundetraining ist ein Leckerchen idealerweise so klein, dass der Hund es schnell schlucken kann und unmittelbar „weiterarbeiten“ kann. Häufig reicht ein Stück, das deutlich kleiner ist, als man zunächst vermuten würde. Für den Hund ist in vielen Situationen die Häufigkeit der Belohnung wichtiger als die Größe des einzelnen Stücks.
Besonders praktisch sind kleine, gut portionierbare und möglichst kalorienarme Snacks. Je nach Verträglichkeit können beispielsweise kleine Stückchen geeigneter Fleischsnacks oder bestimmte Gemüsesorten verwendet werden. Auch kleine Mengen Käse können für manche Hunde eine besonders attraktive Belohnung darstellen, sollten aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Energiedichte aber bewusst und sparsam eingesetzt werden.
Bei getrockneten tierischen Produkten lohnt sich ein genauer Blick auf die Menge. Durch den Wasserentzug ist die Energie auf ein wesentlich geringeres Gewicht konzentriert. Ein großer Schweineohr-Kauartikel beispielsweise kann mehrere hundert Kilokalorien liefern und damit bei einem mittelgroßen Hund bereits einen beträchtlichen Teil des täglichen Energiebedarfs abdecken. Solche Kauartikel sind deshalb nicht einfach eine Beschäftigung „nebenbei“, sondern müssen als Bestandteil der Tagesration berücksichtigt werden.
Weniger geeignet sind regelmäßig verfütterte Wurststücke, größere Mengen Käse und andere sehr fett- oder energiereiche Lebensmittel. Auch Essensreste vom Tisch sind als alltägliche Belohnung keine gute Lösung. Neben ihrem teilweise hohen Energie-, Fett- oder Salzgehalt können sie Gewürze oder Zutaten enthalten, die für Hunde ungeeignet sind.
Vorsicht ist außerdem bei Knochen und extrem harten Kauartikeln wie Geweihstücken oder Hufen angebracht. Sie können Zähne schädigen oder Verletzungen verursachen.
Viele Leckerchen beim Hundetraining – wie geht das ohne zusätzliche Kalorien?
Gerade beim Training passiert es sehr oft, dass die 10-Prozent-Regel kaum kaum eingehalten wird. Beim Aufbau eines neuen Verhaltens kann ein Hund innerhalb kurzer Zeit Dutzende Belohnungen bekommen. Entscheidend ist jedoch auch hier nicht die Anzahl der Belohnungen, sondern ihre Gesamtmenge.
Eine der einfachsten Möglichkeiten besteht darin, einen Teil der normalen Futterration für das Training zu reservieren. Bekommt ein Hund beispielsweise täglich 180 Gramm Trockenfutter, könnten morgens 50 Gramm davon in den Futterbeutel gefüllt und die verbleibenden 130 Gramm über den Napf oder andere Beschäftigungsformen angeboten werden. Der Hund kann dadurch während des Trainings sehr häufig mit Futter belohnt werden, ohne dass sich seine tägliche Futtermenge erhöht.
Gerade für einfache Übungen oder bekannte Signale reicht das normale Trockenfutter bei vielen Hunden vollkommen aus. Besonders attraktive Leckerchen können gezielt für schwierigere Situationen oder anspruchsvollere Übungen, wie beispielsweise den Rückruf, reserviert werden. Dadurch muss nicht jede einzelne Belohnung besonders kalorienreich sein.
Darüber hinaus muss eine Belohnung nicht immer aus Futter bestehen. Je nach Hund und Situation können gemeinsames Spiel, die Freigabe zum Schnüffeln, soziale Aufmerksamkeit oder andere für den Hund attraktive Aktivitäten ebenfalls als Verstärker eingesetzt werden. Futter ist damit ein wichtiges Trainingswerkzeug, aber nicht das einzige.
Kann Trockenfutter als Leckerli verwendet werden?
Trockenfutter als Leckerli zu verwenden ist eine der einfachsten Möglichkeiten, die Futtermenge beim Training unter Kontrolle zu behalten. Voraussetzung ist, dass das Futter für den Hund geeignet ist und die verfütterte Menge zur normalen Tagesration gehört.
Statt morgens den kompletten Tagesbedarf in den Napf zu geben, wird zunächst die gesamte Tagesration abgewogen. Anschließend wird ein Teil davon für Spaziergänge, Training, Suchspiele oder Futterspielzeuge reserviert. Was unterwegs verfüttert wird, muss dann nicht zusätzlich vom Futter im Napf „geschätzt“ werden, weil die Aufteilung bereits vorher erfolgt ist.
Dieses Vorgehen hat noch einen weiteren Vorteil: Ein Teil der täglichen Nahrung kann für Beschäftigung und Training genutzt werden, ohne dass dafür zusätzliche Snacks notwendig sind. Gerade bei Hunden, die leicht zunehmen, ist das ausgesprochen praktisch.
Kann Nassfutter aus der Tube als Trainingsleckerli verwendet werden?
Auch Nassfutter lässt sich hervorragend als Belohnung einsetzen. Besonders beim Training kann eine wiederbefüllbare Futtertube* praktisch sein, weil der Hund nur eine kleine Menge herauslecken kann und nicht nach jedem einzelnen Leckerchen kauen muss.
Handelt es sich bei dem Inhalt um das normale Nassfutter des Hundes, kann die verwendete Menge einfach von seiner Tagesration abgezogen werden. Werden beispielsweise 100 Gramm der normalen Nassfutterration in eine Tube gefüllt und beim Training verfüttert, bekommt der Hund anschließend entsprechend 100 Gramm weniger davon im Napf.
Anders sieht es aus, wenn eine spezielle Leberwurst-, Käse- oder Trainingspaste verwendet wird. Diese kann eine deutlich andere Energiedichte besitzen und ist häufig kein Alleinfuttermittel. In diesem Fall sollte die Menge als zusätzliches Leckerchen berücksichtigt werden. Werden unterschiedliche Futtermittel gegeneinander ausgetauscht, ist es deshalb genauer, Kalorien statt Gramm miteinander zu vergleichen.
Bei Nassfutter muss außerdem die Hygiene berücksichtigt werden. Angebrochene beziehungsweise abgefüllte Futtermittel sollten entsprechend den Herstellerangaben gelagert werden und nicht unnötig lange ungekühlt mitgeführt werden. Wiederbefüllbare Tuben müssen nach der Verwendung gründlich gereinigt werden.
Das Leckerchen-Glas: der einfachste Trick für die richtige Tagesmenge
Eine besonders einfache Methode, um die tägliche Leckerchenmenge im Blick zu behalten, ist das Leckerchen-Glas. Das Prinzip funktioniert ohne App, ohne komplizierte Berechnungen und ist vor allem in Haushalten mit mehreren Personen hilfreich.
Die idealerweise berechnete Menge an Leckerlis kommt morgens in ein Glas oder einen anderen gut sichtbaren Behälter. Jeder, der dem Hund im Laufe des Tages etwas geben möchte, nimmt die Leckerchen ausschließlich aus diesem Glas. Ist das Leckerchen-Glas leer, gibt es für diesen Tag keine weiteren zusätzlichen Snacks.
Damit wird ein häufiges Problem sichtbar: Niemand gibt dem Hund vermeintlich besonders viel, aber mehrere kleine Portionen summieren sich. Ein Leckerchen nach dem Frühstück, eines nach dem Spaziergang, ein Stück Käse von Oma am Nachmittag und ein Kauartikel am Abend können zusammengenommen deutlich mehr sein als gedacht. Das Leckerchen-Glas schafft hier eine klare Grenze.
Das gleiche Prinzip funktioniert auch mit der normalen Trockenfutterration. Die gesamte Tagesration wird morgens abgewogen und anschließend auf Napf, Training, Spaziergänge und Beschäftigung verteilt. Dadurch muss abends nicht mehr überlegt werden, wie viele Leckerchen der Hund während des Tages bereits bekommen hat.
Auch Kauartikel, Schleckmatten und kleine Extras zählen
Bei der Berechnung der Leckerchenmenge werden häufig nur klassische Hundekekse berücksichtigt. Tatsächlich zählt aber jede zusätzliche Energiequelle zur Tagesration. Dazu gehören alle Kauartikel, Käse oder Wurst zum Verstecken von Medikamenten, gefüllte Futterspielzeuge, Schleckmatten und Trainingspasten.
Gerade Kauartikel werden leicht unterschätzt, weil der Hund längere Zeit damit beschäftigt ist. Die Beschäftigungsdauer sagt jedoch nichts über den Kaloriengehalt aus. Ein Hund kann an einem energiereichen Kauartikel lange kauen und dabei trotzdem eine beträchtliche Energiemenge aufnehmen.
Achtung! Auch Obst und Gemüse zählen zur Tagesration. Kleine Mengen energiearmer Gemüsesorten wie Gurke oder Zucchini fallen bei einem gesunden, normalgewichtigen Hund energetisch zwar kaum ins Gewicht, sind aber nicht kalorienfrei. Größere Mengen sowie energiereicheres Gemüse und insbesondere Obst sollten bei der täglichen Futtermenge berücksichtigt werden. Bei einem Hund, der abnehmen muss oder der eine exakt berechnete Energiezufuhr bekommen soll, sollte man auch kleine Mengen Obst und Gemüse konsequent mit einrechnen.
Leckerchen bei Hunden mit Übergewicht oder Erkrankungen
Bei übergewichtigen Hunden ist es besonders sinnvoll, einen möglichst großen Teil der Belohnungen aus der bereits berechneten Hauptfutterration zu nehmen. Dadurch lässt sich vermeiden, dass die für eine Gewichtsabnahme festgelegte Energiezufuhr durch zahlreiche zusätzliche Snacks unbemerkt überschritten wird.
Bei Hunden mit Futtermittelallergien oder -unverträglichkeiten, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Nierenerkrankungen, Diabetes oder anderen Erkrankungen können darüber hinaus besondere Anforderungen gelten. Das gilt ebenso für Hunde, die eine therapeutische Diät erhalten. Hier sollten nicht wahllos zusätzliche Leckerchen eingesetzt werden, da bereits kleine Mengen ungeeigneter Futtermittel das Ernährungskonzept beeinflussen können.
Auch Welpen sowie tragende und säugende Hündinnen haben besondere Ernährungsbedürfnisse. Die einfache 10-Prozent-Regel sollte deshalb nicht als Ersatz für eine individuell bedarfsgerechte Fütterung verstanden werden.
Wie viele Leckerchen sind also wirklich okay?
Die entscheidende Frage lautet nicht: „Wie viele Leckerchen darf mein Hund bekommen?“, sondern vielmehr: „Wie viel zusätzliche Energie bekommt mein Hund durch Leckerchen?“
Als Orientierung sollten klassische Leckerchen und andere nicht bedarfsdeckende Extras zusammen möglichst nicht mehr als etwa zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr liefern. Wird dagegen ein Teil des normalen Alleinfuttermittels als Belohnung eingesetzt und von der Tagesration abgezogen, kann der Hund auch sehr viele kleine Belohnungen erhalten, ohne dadurch automatisch zusätzliche Kalorien aufzunehmen.
Für das Hundetraining bedeutet das: Trockenfutter kann problemlos aus der Tagesration abgezweigt und als Leckerli verwendet werden. Auch Nassfutter aus einer Tube eignet sich, sofern die entsprechende Menge berücksichtigt wird. Bei anderen Snacks ist es sinnvoll, auf kleine Portionen und den tatsächlichen Energiegehalt zu achten. Besonders energiereiche Kauartikel, Käse, Wurst und ähnliche Lebensmittel können die Tagesration schneller beeinflussen, als ihre Größe vermuten lässt.
Und für den normalen Familienalltag bleibt das Leckerchen-Glas eine der einfachsten Lösungen: Morgens wird die erlaubte Tagesmenge hineingegeben, alle Familienmitglieder bedienen sich ausschließlich daraus – und wenn das Glas leer ist, ist die Leckerchenration für diesen Tag aufgebraucht. So bleiben Belohnungen ein sinnvoller und schöner Bestandteil des Hundealltags, ohne dass aus vielen kleinen Extras unbemerkt eine zusätzliche Mahlzeit wird.
