Orlando Pure Taste mit Huhn im Futtercheck – Wie gut ist das Lidl Trockenfutter?

Mit dem Orlando Pure Taste mit Huhn bietet der Discounter Lidl ein Trockenfutter für Hunde an, das von ÖKO-TEST (11/2024) mit „Sehr gut“ bewertet wurde. Das lässt vermuten, das gutes Hundefutter nicht zwangsläufig teuer sein muss. Entscheidend ist jedoch nicht allein das Testergebnis, sondern auch die Zusammensetzung. Wir werfen einen Blick auf die Zutaten, ordnen die Nährstoffgehalte ein und bewerten, ob das Futter auch aus ernährungsphysiologischer Sicht überzeugen kann.

Dass das Orlando Pure Taste im ÖKO-TEST zu den Testsiegern gehört, ist nicht überraschend, wenn man die Prüfkriterien von ÖKO-TEST kennt. Das Futter erfüllt die gesetzlichen Anforderungen an ein Alleinfuttermittel und versorgt gesunde, ausgewachsene Hunde ausgehend von den Laborergebnissen bedarfsgerecht mit den notwendigen Nährstoffen. Dennoch beantwortet ein Labortest nur einen Teil der Frage nach der Qualität eines Hundefutters. Ebenso wichtig ist, welche Rohstoffe eingesetzt werden, wie transparent sie deklariert sind und ob sich die Rezeptur insgesamt sinnvoll zusammensetzt. Genau dort lohnt sich ein genauer Blick.

Warum erhielt Orlando Pure Taste bei ÖKO-TEST die Bestnote?

Im Hundetrockenfutter-Test untersuchte ÖKO-TEST insgesamt 25 Alleinfuttermittel für ausgewachsene Hunde. Bewertet wurden unter anderem die Versorgung mit essenziellen Nährstoffen, die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte für Mineralstoffe und Zusatzstoffe sowie eventuelle Belastungen mit Schadstoffen. Außerdem überprüfte das Labor, ob die Deklaration mit den gemessenen Werten übereinstimmt. Das Orlando Pure Taste mit Huhn schnitt in diesen Punkten sehr gut ab und erhielt deshalb die Gesamtnote „Sehr gut“.

Dieses Ergebnis bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Futter auch hinsichtlich der Rohstoffqualität oder Rezeptur zur Spitzenklasse gehört. Genau hier liegt eine häufige Fehlinterpretation solcher Tests.

Was ÖKO-TEST nicht bewertet

Ein Labor kann zuverlässig feststellen, ob ein Hundefutter den Hund mit ausreichend Calcium, Phosphor, Vitaminen, Aminosäuren oder Spurenelementen versorgt. Es kann auch nachweisen, ob gesetzliche Höchstgehalte überschritten oder Schadstoffe enthalten sind. Diese Punkte sind wichtig und für die Sicherheit eines Alleinfuttermittels unverzichtbar.

Nicht beurteilt werden dagegen die Qualität der eingesetzten Fleischrohstoffe, die Herkunft der Zutaten, der Verarbeitungsgrad oder die biologische Wertigkeit der verwendeten Proteinquellen. Ebenso wenig fließt ein, ob der Hersteller überwiegend hochwertiges Muskelfleisch oder einen größeren Anteil tierischer Nebenprodukte verwendet. Zwei Futtermittel können deshalb ein nahezu identisches Testergebnis erreichen, obwohl sich die Qualität der eingesetzten Rohstoffe deutlich unterscheidet.

Das ÖKO-TEST-Urteil sollte daher immer als Aussage über die Nährstoffversorgung und Produktsicherheit, nicht jedoch als vollständige Qualitätsbewertung verstanden werden.

Die Zusammensetzung wirkt transparent – zeigt aber auch einige Schwächen

Auf den ersten Blick hinterlässt Orlando Pure Taste einen positiven Eindruck. Der Hersteller nennt die Tierart und gibt für viele Zutaten konkrete Mengen an. Das ist deutlich transparenter als bei vielen anderen Trockenfuttern dieser Preisklasse.

Als wichtigste tierische Bestandteile werden 26 Prozent Huhn sowie zusätzlich 25 Prozent frisches Huhn angegeben. Genau diese Deklaration verdient jedoch eine genauere Betrachtung. Frisches Hühnerfleisch besteht zu rund 70 bis 75 Prozent aus Wasser. Während der Herstellung von Trockenfutter wird dieses Wasser nahezu vollständig entzogen. Von den angegebenen 25 Prozent frischem Huhn bleibt deshalb nach der Trocknung nur ein Bruchteil als Trockenmasse erhalten. Der tatsächliche Anteil tierischer Rohstoffe im fertigen Trockenfutter liegt somit deutlich unter den auf den ersten Blick vermuteten 51 Prozent. Diese Form der Deklaration ist lebensmittel- und futtermittelrechtlich zulässig, vermittelt Verbrauchern jedoch häufig einen höheren Fleischanteil, als im Endprodukt tatsächlich vorhanden ist.

Hinzu kommt, dass die Bezeichnung „Huhn“ offenlässt, welche Bestandteile verarbeitet wurden. Nach Futtermittelrecht können darunter sowohl hochwertiges Muskelfleisch als auch verschiedene tierische Nebenprodukte fallen. Welche Rohstoffe tatsächlich verwendet wurden, lässt sich anhand der Deklaration daher nicht beurteilen. Aus Sicht der Transparenz wäre eine genauere Beschreibung wünschenswert.

Kartoffeln spielen vermutlich eine größere Rolle als zunächst erkennbar

Direkt hinter den tierischen Zutaten folgen Kartoffelflocken und Kartoffelmehl. Beide Zutaten stammen aus derselben Rohstoffquelle, werden jedoch getrennt aufgeführt. Dieses Vorgehen wird als Ingredient Splitting bezeichnet. Durch die Aufteilung erscheinen die einzelnen Kartoffelbestandteile mengenmäßig kleiner, als wenn sie gemeinsam deklariert würden. Tatsächlich dürfte ihr Gesamtanteil deutlich höher liegen, als die Zutatenliste zunächst vermuten lässt. Auch diese Form der Deklaration ist zulässig und wird von vielen Herstellern genutzt. Kartoffeln selbst sind für Hunde gut verdaulich und stellen eine geeignete Kohlenhydratquelle dar. Sie dienen in erster Linie als Energielieferant und tragen gleichzeitig zur technologischen Stabilität eines Trockenfutters bei.

Wie sind Rübentrockenschnitzel zu bewerten?

Rübentrockenschnitzel entstehen als Nebenprodukt bei der Zuckergewinnung aus Zuckerrüben und enthalten nach der Zuckerextraktion überwiegend Ballaststoffe und Pektine. Ballaststoffe können die Darmtätigkeit unterstützen und die Kotkonsistenz positiv beeinflussen. Rübentrockenschnitzel werden gerne in Trockenfutter eingesetzt, allerdings meistens nicht aus ernährungsphysiologischen Gründen, sondern häufig auch aus technologischen und wirtschaftlichen Überlegungen. Sie sind ein billiges Nebenprodukt und tragen unter anderem zur Struktur und zum Volumen des Trockenfutters bei. Der Hersteller nennt in seiner Deklaration keinen Mengenanteil. Dadurch bleibt offen, welchen tatsächlichen Beitrag sie zur Rezeptur leisten. Ein hochwertiges Trockenfuttern setzt auf vielfältigere Ballaststoffquellen, beispielsweise verschiedene Gemüsesorten. Rübentrockenschnitzel sind zwar nicht problematisch, sprechen aber auch nicht für Qualität.

Geflügelfett, Leberhydrolysat und funktionelle Zusätze

Das enthaltene Geflügelfett liefert Energie und essenzielle Fettsäuren. Allerdings bleibt offen, von welchen Geflügelarten das Fett stammt. Gerade für Hunde mit Futtermittelunverträglichkeiten wäre eine genauere Deklaration hilfreich. Das zugesetzte Geflügelleberhydrolysat erfüllt hauptsächlich eine technologische Aufgabe. Hydrolysierte Leber wird häufig eingesetzt, um die Akzeptanz eines Trockenfutters zu verbessern und den Geschmack zu intensivieren. Aufgrund des geringen Anteils von lediglich zwei Prozent trägt sie nur in begrenztem Umfang zur Proteinversorgung bei. Positiv zu bewerten sind Leinsaat, Chicorée sowie Hefen mit Beta-Glucanen und Mannanoligosacchariden. Diese Zutaten können die Darmgesundheit unterstützen. Allerdings fallen die eingesetzten Mengen sehr gering aus. Ob sie im fertigen Produkt tatsächlich einen messbaren Effekt erzielen, lässt sich anhand der Deklaration nicht beurteilen.

Die analytischen Bestandteile

Mit 29 Prozent Rohprotein und 15 Prozent Rohfett bewegt sich Orlando Pure Taste in einem Bereich, der für gesunde, ausgewachsene Hunde geeignet ist. Erfreulich ist die Angabe des Herstellers, dass über 86 Prozent des Gesamtproteins tierischen Ursprungs sein sollen. Ein hoher Anteil tierischer Proteine verbessert in der Regel die Versorgung mit essenziellen Aminosäuren, vorausgesetzt die Proteinquellen sind hochwertig und leicht verdaulich. Dies lässt sich anhand der Deklaration allerdings nicht beurteilen, da lediglich „Huhn“ ausgewiesen wird und nicht, welche Teile des Huhns verarbeitet werden. Das Calcium-Phosphor-Verhältnis liegt mit 1,4 zu 1 im empfohlenen Bereich und spricht für eine ausgewogene Mineralstoffversorgung. Die zugesetzten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren ergänzen die Rezeptur sinnvoll.

Fazit

Das Orlando Pure Taste mit Huhn gehört zu den besseren Trockenfuttern im günstigen Preissegment. Die Nährstoffversorgung ist ausgewogen, die analytischen Werte sind in Ordnung und auch das Abschneiden bei ÖKO-TEST ist aus dieser Perspektive nachvollziehbar.

Wer das Testergebnis jedoch als Beleg für eine außergewöhnlich hochwertige Rezeptur versteht, greift zu kurz. Die Deklaration nutzt den bekannten Effekt der Kombination aus frischem und getrocknetem Huhn, wodurch der Fleischanteil höher erscheint, als er im fertigen Trockenfutter tatsächlich ist. Hinzu kommen eine nur teilweise offene Deklaration der tierischen Bestandteile, das Splitting der Kartoffelzutaten sowie der Einsatz preisgünstiger Ballaststoffquellen wie Rübentrockenschnitzel.

Diese Punkte machen Orlando Pure Taste keineswegs zu einem schlechten Hundefutter. Sie zeigen jedoch, dass zwischen einer bedarfsgerechten Nährstoffversorgung und einer besonders hochwertigen Rezeptur unterschieden werden sollte. Insgesamt bietet Lidl mit Orlando Pure Taste ein solides Alleinfuttermittel mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Das ÖKO-TEST-Urteil ist deshalb nachvollziehbar, ersetzt aber nicht die kritische Bewertung der Zusammensetzung.