Die Umstellung von Trocken- auf Nassfutter gehört zu den häufigsten Veränderungen in der Hundeernährung. Viele Hundehalter entscheiden sich dafür, weil Nassfutter einen höheren Wassergehalt besitzt, häufig besser vom Hund angenommen wird oder sich einfacher an bestimmte Lebensphasen und gesundheitliche Situationen anpassen lässt. Damit der Wechsel möglichst gut vertragen wird, sollte die Futterumstellung jedoch langsam erfolgen. Der Verdauungstrakt des Hundes muss sich auf die veränderte Zusammensetzung der Nahrung einstellen. Eine abrupte Umstellung kann insbesondere bei empfindlichen Tieren vorübergehend zu weichem Kot, Blähungen oder Erbrechen führen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass eine schrittweise Anpassung des Verdauungssystems die Verträglichkeit deutlich verbessert und das Risiko von Verdauungsbeschwerden reduziert. Die Verdauung des Hundes reagiert auf Veränderungen der Futterzusammensetzung mit Anpassungen der Darmflora, der Enzymaktivität und der Verdauungsleistung.
Warum eine Umstellung auf Nassfutter sinnvoll sein kann
Nassfutter besteht zu etwa 70 bis 85 Prozent aus Wasser, während Trockenfutter meist nur rund 8 bis 10 Prozent Feuchtigkeit enthält. Hunde decken ihren Wasserbedarf zwar überwiegend über das Trinken, dennoch trägt der hohe Feuchtigkeitsgehalt von Nassfutter zusätzlich zur Flüssigkeitsaufnahme bei. Besonders Hunde, die wenig trinken, ältere Tiere oder Hunde mit einem erhöhten Flüssigkeitsbedarf können davon profitieren.
Auch die Akzeptanz spielt eine wichtige Rolle. Durch den höheren Wassergehalt und die stärkere Geruchsentwicklung wird Nassfutter von vielen Hunden lieber gefressen als Trockenfutter. Gerade bei älteren Hunden mit nachlassendem Geruchssinn oder bei mäkeligen Fressern verbessert sich die Futteraufnahme häufig deutlich.
Darüber hinaus eignet sich Nassfutter häufig besser für Hunde mit Zahnproblemen oder Erkrankungen im Maulbereich. Das weichere Futter verursacht beim Kauen weniger Schmerzen und erleichtert die Futteraufnahme. Ebenso kann Nassfutter bei Hunden mit reduziertem Appetit während einer Rekonvaleszenz oder bei bestimmten chronischen Erkrankungen hilfreich sein, sofern die jeweilige Ration bedarfsdeckend zusammengestellt ist.
Auch bei der Gewichtsabnahme kann Nassfutter Vorteile bieten. Aufgrund des hohen Wasseranteils besitzt es meist eine geringere Energiedichte pro Gramm als Trockenfutter. Das bedeutet, dass größere Futtermengen gefüttert werden können, ohne automatisch mehr Energie aufzunehmen. Viele Hunde erreichen dadurch schneller ein Sättigungsgefühl. Entscheidend bleibt jedoch immer die tatsächlich aufgenommene Energiemenge und nicht das Futtervolumen allein.
Warum der Wechsel langsam erfolgen sollte
Trocken- und Nassfutter unterscheiden sich nicht nur im Wassergehalt. Häufig variieren auch Fettgehalt, Proteinquellen, Ballaststoffanteil, Energiegehalt und die verwendeten Rohstoffe. Diese Unterschiede beeinflussen die Verdauung.
Die Darmflora passt sich kontinuierlich an das gefütterte Futter an. Ändert sich die Zusammensetzung plötzlich, benötigen die Mikroorganismen einige Tage, um sich auf die neue Nahrung einzustellen. Gleichzeitig verändert sich die Aktivität verschiedener Verdauungsenzyme. Während dieser Anpassungsphase können Blähungen, weicherer Kot oder vorübergehende Veränderungen der Kotmenge auftreten. Diese Reaktionen sind bei ansonsten gesunden Hunden meist harmlos und verschwinden nach wenigen Tagen wieder.
So gelingt die Futterumstellung
Bei gesunden erwachsenen Hunden empfiehlt sich eine schrittweise Umstellung über etwa sieben bis zehn Tage. Zu Beginn wird lediglich ein kleiner Anteil des bisherigen Trockenfutters durch Nassfutter ersetzt. Anschließend wird der Anteil des Nassfutters täglich etwas erhöht, während die Menge des Trockenfutters entsprechend sinkt. So erhält der Verdauungstrakt ausreichend Zeit, sich anzupassen.
Empfindliche Hunde oder Tiere mit bekannten Magen-Darm-Problemen profitieren häufig von einer noch langsameren Umstellung über zehn bis vierzehn Tage. Zeigen sich währenddessen deutliche Verdauungsprobleme, sollte die Umstellung für einige Tage auf dem zuletzt gut vertragenen Mischungsverhältnis pausieren, bevor der nächste Schritt erfolgt.
Wichtig ist außerdem, die Futtermenge nicht nach Volumen, sondern nach dem Energiebedarf des Hundes zu berechnen. Nassfutter enthält aufgrund seines hohen Wassergehaltes deutlich weniger Energie pro Gramm als Trockenfutter. Deshalb müssen wesentlich größere Gewichtsportionen gefüttert werden, um den gleichen Energiebedarf zu decken. Die Herstellerangaben dienen hierbei als Orientierung und sollten regelmäßig anhand des Körpergewichts überprüft werden.
Trocken- und Nassfutter mischen – sinnvoll oder nicht?
Das gleichzeitige Füttern von Trocken- und Nassfutter ist grundsätzlich möglich, sofern die Gesamtenergiemenge korrekt berechnet wird. Die häufig geäußerte Behauptung, dass Trocken- und Nassfutter wegen unterschiedlicher Verdauungszeiten grundsätzlich nicht gemeinsam gefüttert werden dürften, ist wissenschaftlich nicht belegt.
Dennoch kann es bei empfindlichen Hunden sinnvoll sein, die Umstellung über einen längeren Zeitraum durchzuführen. Dadurch lässt sich besser beurteilen, wie gut das neue Futter vertragen wird.
Worauf besonders geachtet werden sollte
Nicht jede Veränderung des Kots ist automatisch ein Zeichen für eine Unverträglichkeit. Durch den höheren Wassergehalt des Nassfutters werden Kotkonsistenz und Kotmenge häufig etwas weicher. Gleichzeitig sinkt bei hochwertigen, gut verdaulichen Futtermitteln die Kotmenge häufig sogar, weil mehr Nährstoffe verdaut und aufgenommen werden.
Treten jedoch anhaltender Durchfall, häufiges Erbrechen, starke Blähungen, Appetitlosigkeit oder deutliche Bauchschmerzen auf, sollte die Umstellung unterbrochen und gegebenenfalls tierärztlich abgeklärt werden. Hinter solchen Symptomen können auch Erkrankungen stehen, die nicht mit der Futterumstellung zusammenhängen.
Diese Fehler sollten vermieden werden
Ein häufiger Fehler besteht darin, das Futter von einem Tag auf den anderen vollständig auszutauschen. Zwar vertragen einige Hunde auch einen abrupten Wechsel problemlos, bei vielen Tieren steigt dadurch jedoch das Risiko vorübergehender Verdauungsstörungen.
Ebenso problematisch ist eine falsche Portionsberechnung. Da Nassfutter deutlich mehr Wasser enthält, darf die Futtermenge nicht einfach grammgenau gegen Trockenfutter ausgetauscht werden. Wird die Energiezufuhr nicht berücksichtigt, kann es langfristig sowohl zu einer Unterversorgung als auch zu einer übermäßigen Energieaufnahme kommen.
Auch häufige Futterwechsel ohne medizinischen oder ernährungsphysiologischen Grund sind nicht sinnvoll. Der Verdauungstrakt profitiert von einer gewissen Konstanz, sofern das gewählte Futter den Bedarf des Hundes vollständig deckt.
Umstellung von Nass- auf Trockenfutter
Die Umstellung in die entgegengesetzte Richtung erfolgt nach denselben Grundsätzen. Auch hier sollte der Wechsel schrittweise über mindestens sieben Tage erfolgen. Besonders wichtig ist dabei die Flüssigkeitsaufnahme. Da Trockenfutter nur wenig Wasser enthält, muss jederzeit ausreichend frisches Trinkwasser zur Verfügung stehen. Manche Hunde trinken nach der Umstellung zunächst zu wenig, weshalb die Wasseraufnahme in den ersten Tagen beobachtet und ggf. Wasser zum Trockenfutter gegeben werden sollte.
Eine Umstellung auf Trockenfutter kann sinnvoll sein, wenn beispielsweise unterwegs gefüttert wird, längere Reisen anstehen oder eine exakt dosierbare Fütterung gewünscht ist. Auch bei einzelnen medizinischen Spezialdiäten stehen manche therapeutischen Futtermittel ausschließlich oder überwiegend als Trockenfutter zur Verfügung.
Unabhängig von der Futterform gilt jedoch: Entscheidend für die Gesundheit des Hundes ist nicht, ob Trocken- oder Nassfutter gefüttert wird, sondern dass das gewählte Alleinfuttermittel den individuellen Energie- und Nährstoffbedarf vollständig und dauerhaft deckt.
