Übergewicht gehört heute zu den häufigsten ernährungsbedingten Gesundheitsproblemen beim Hund. Internationale Studien zeigen, dass je nach untersuchter Population zwischen 34 und über 60 Prozent aller Haushunde übergewichtig oder adipös sind. Für viele Halter ist das jedoch nur schwer zu erkennen. Der Grund: Die schleichende Gewichtszunahme fällt im Alltag oft kaum auf. Hinzu kommt, dass viele Menschen den Körperzustand ihres Hundes falsch einschätzen und ein leicht übergewichtiger Hund inzwischen häufig als „normal“ wahrgenommen wird. Dabei erhöht bereits ein moderates Übergewicht das Risiko für verschiedene Erkrankungen und kann die Lebenserwartung verkürzen. Umso wichtiger ist es, die ersten Anzeichen frühzeitig zu erkennen.
Das Körpergewicht allein reicht nicht aus
Ob ein Hund übergewichtig ist, lässt sich nicht allein anhand der Zahl auf der Waage beurteilen. Hunderassen unterscheiden sich erheblich in Größe, Körperbau und Muskelmasse. Ein Labrador mit 32 Kilogramm kann idealgewichtig sein, während ein anderer Hund derselben Rasse mit identischem Gewicht bereits deutlich zu viel Körperfett besitzt. Deshalb empfehlen Tierärzte und Ernährungswissenschaftler weltweit die Beurteilung des sogenannten Body Condition Score (BCS). Dieses Verfahren bewertet nicht das Körpergewicht, sondern den Anteil des Körperfetts anhand klar definierter äußerer Merkmale.
Der international etablierte Body Condition Score arbeitet meist mit einer Skala von 1 bis 9. Ein Wert von 4 bis 5 gilt als ideal. Ab einem BCS von 6 spricht man von Übergewicht, ab 8 bis 9 von Adipositas. Dabei werden Rippen, Taille, Bauchlinie und Fettdepots systematisch beurteilt. Diese Vorgehensweise wird sowohl in der veterinärmedizinischen Praxis als auch in der Ernährungsberatung eingesetzt. Auch in der Ausbildung von Ernährungsberatern für Hunde dient der Body Condition Score als Standardinstrument zur Einschätzung des Ernährungszustandes.
Die Rippen sind der wichtigste Orientierungspunkt
Der einfachste Test gelingt mit den Händen. Streichen Sie mit leichtem Druck über den Brustkorb Ihres Hundes. Bei einem normalgewichtigen Hund sollten die Rippen problemlos tastbar sein. Sie dürfen nicht deutlich hervorstehen, sollten aber nur von einer dünnen Fettschicht bedeckt sein.
Sind die Rippen nur noch mit kräftigem Druck zu ertasten oder gar nicht mehr fühlbar, spricht dies für einen erhöhten Körperfettanteil. Dieses Merkmal gilt als eines der zuverlässigsten Anzeichen für Übergewicht und ist unabhängig von Felllänge oder Fellfarbe gut beurteilbar.
Die Taille sollte von oben sichtbar sein
Betrachten Sie Ihren Hund von oben. Direkt hinter dem Rippenbogen sollte sich eine erkennbare Taille zeigen. Der Körper wirkt dort leicht eingeschnürt und wird in Richtung Becken wieder etwas breiter.
Verschwindet diese Taille vollständig oder erscheint der Rücken gleichmäßig breit und oval, deutet dies auf eine vermehrte Fettablagerung hin. Besonders bei langhaarigen Hunden lohnt sich zusätzlich das Abtasten, da dichtes Fell optisch täuschen kann.
Die Bauchlinie gibt weitere Hinweise
Auch der Blick von der Seite liefert wichtige Informationen. Bei einem gesunden Hund steigt die Bauchlinie hinter dem Brustkorb leicht nach oben an. Diese sogenannte Bauchaufziehung gehört zu den Merkmalen eines idealen Körperzustandes.

Bei übergewichtigen Hunden verläuft die Bauchlinie dagegen nahezu waagerecht oder senkt sich sogar nach unten ab. Bei starkem Übergewicht entsteht ein ausgeprägter Hängebauch. Gleichzeitig können Fettpolster im Bereich der Lenden, am Schwanzansatz, an Brust und Hals sichtbar oder tastbar werden. Die Beschreibung dieser Merkmale entspricht den international verwendeten BCS-Kriterien.
Fettpolster entstehen an typischen Körperstellen
Mit zunehmendem Körperfett lagern Hunde Fett bevorzugt an bestimmten Regionen ein. Besonders häufig finden sich Fettpolster am Brustkorb, im Lendenbereich, am Schwanzansatz sowie im Halsbereich. Bei stark adipösen Hunden können zusätzlich Fettansammlungen an den Gliedmaßen und im Beckenbereich entstehen.
Diese Fettdepots entwickeln sich meist schleichend. Deshalb lohnt sich eine regelmäßige Kontrolle beim Bürsten oder Streicheln. Viele Halter bemerken Veränderungen erst dann, wenn der Hund bereits deutlich übergewichtig ist.
Veränderungen im Alltag können auf Übergewicht hinweisen
Nicht jeder Hund zeigt sofort offensichtliche gesundheitliche Probleme. Dennoch verändert sich das Bewegungsverhalten häufig bereits bei moderatem Übergewicht. Betroffene Hunde werden schneller müde, bewegen sich weniger freiwillig und zeigen geringere Ausdauer bei Spaziergängen oder Spielen. Auch das Aufstehen fällt manchen Hunden schwerer.
Diese Veränderungen sind jedoch nicht spezifisch für Übergewicht. Sie können ebenso durch Schmerzen, Gelenkerkrankungen oder andere gesundheitliche Probleme verursacht werden. Deshalb sollten Leistungsabfall oder Bewegungsunlust immer tierärztlich abgeklärt werden.
Warum regelmäßige Gewichtskontrollen sinnvoll sind
Da sich Übergewicht meist langsam entwickelt, empfiehlt sich eine regelmäßige Dokumentation des Körpergewichts. Noch aussagekräftiger ist die Kombination aus Gewicht und Body Condition Score. So lassen sich auch kleinere Veränderungen früh erkennen.
Besonders nach einer Kastration, im zunehmenden Alter oder bei einer Veränderung des Aktivitätsniveaus steigt das Risiko einer Gewichtszunahme. In diesen Lebensphasen sollte der Ernährungszustand häufiger kontrolliert werden, damit die Futtermenge rechtzeitig angepasst werden kann.
Fazit
Ob ein Hund übergewichtig ist, entscheidet nicht allein die Waage. Entscheidend ist der Körperfettanteil. Der Body Condition Score bietet hierfür eine wissenschaftlich etablierte und praxistaugliche Methode. Gut tastbare Rippen, eine erkennbare Taille und eine leicht aufgezogene Bauchlinie sprechen für einen idealen Ernährungszustand. Sind Rippen kaum noch fühlbar, verschwindet die Taille oder bilden sich Fettpolster an Rücken, Brust oder Schwanzansatz, sollte das Gewicht des Hundes überprüft werden. Je früher Übergewicht erkannt wird, desto einfacher lässt sich gegensteuern – und desto besser können langfristige gesundheitliche Folgen vermieden werden.
Literatur
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